Doris Trzaska

Doris Trzaska ist Malerin und Zeichnerin, gleichwohl realisiert sie auch plastische Objekte, dreht Filme und Videos und agiert als Performance-Künstlerin; und auch wenn sie vorrangig malt oder zeichnet, verknüpft sie ihre Arbeiten oft mit anderen Medienformen, inszeniert sie ihre klassischen Darstellungstechniken in performativen Aktionen. Als Meisterschülerin von Beate Schiff arbeitete sie kontinuierlich im Schiff-Raum der Kunstakademie Düsseldorf, immer wieder Neues suchend. Auch in den Ateliers von Beuys, Richter, Rissa und Bobek war sie bei Korrekturen dabei, und das Suchen und Experimentieren hat sie sich bewahrt und zur künstlerischen Methode gemacht.

Zeichnendes Malen oder malerisches Zeichnen

Ich will mich im Folgenden vorrangig auf die klassischen Werkformen beziehen, das heißt auf die Zeichnung und die Malerei, und hier muss ich gleich zu Beginn meine Eingrenzung zurücknehmen, als die tradierten Gattungsbegriffe Zeichnen und Malen für die Arbeitsweise von Doris Trzaska nicht taugen. Wenn Zeichnung mit dem Mittel der Linie arbeitet, wenn Malerei eine Kunst der Fläche ist, wenn Farbe primär der Malerei zugeordnet wird und nicht der Zeichnung, dann stört sich die Künstlerin nicht an diese kategorialen Grenzen. Manch einer spricht von zeichnerischer Malerei oder von malerischer Zeichnung und tatsächlich changiert ihre Kunst ganz bewusst zwischen diesen Ebenen, strebt eine Offenheit und Ambivalenz der Ausdrucksmöglichkeiten an.

 

Offenheit und Ambivalenz meint dann aber nicht nur die Aufhebung der starren Gattungsgrenzen, sondern zugleich ein ästhetisches Gestaltungsprinzip.

 

Nähern wir uns ihren Portraits, dann finden wir das zeichnerische Element, den Strich und die Linie gerade nicht als durchlaufende Umrisslinie, als zeichnerische Erfassung und Bändigung einer gegenständlich definierbaren Form. Linien brechen ab, führen nicht weiter, werden zu Strichen, zu Spuren emotional aufgeladener Bewegung, schweben im ortlosen Weiß des Zeichenpapiers oder der Leinwand. Skizzenhaft bleibt die Zeichnung, egal ob sie mit Stiften (Aquarellstiften) oder mit dem Farbpinsel zeichnet. Eine solche Offenheit zielt nicht auf eine exakte Gegenständlichkeit, eine naturalistische Abbildung, auf ein wiedererkennendes, identifizierendes Sehen des Betrachters.

 

Natürlich erkennen wir, dass hier eine Person gemeint ist, dort ein Stuhl oder ein auf einem Tuch arrangiertes Rhabarberbündel. Ambivalenz und Offenheit der bildnerischen Mittel oder als bildnerisches Prinzip meint, dass die Linie und der Strich (um bei der Zeichnung zu bleiben) als freie, gegenstandsfreie Linien präsent sind und nur im Kontext des Bildganzen einen gegenständlichen Bezug ermöglichen. Eine solche Zeichnung gewinnt an Unmittelbarkeit, entfaltet die ureigenen Ausdrucksmöglichkeiten der bildnerischen Mitte, der Linie, des Strichs des Flecks. Natürlich geht es (z.B.) im Portrait um Mimik, Gestik und Pose, allerdings wird auch oder gar vorrangig der unmittelbare Ausdruck der bildnerischen Mittel gesucht. Die Künstlerin kennt die innere Grammatik der Zeichnung, weiß gezielt Form-Qualitäten, Form-Dimensionen, Richtungswerte etc. ausdruckssteigernd zu nutzen, um das Äußerliche wesenshaft zu steigen.

 

Der Arbeit am Bild geht ein langes, durchdringendes Betrachten voraus, um das Wesentliche zu erfassen, um im Äußeren die Spuren des Inneren wahrzunehmen. Danach arbeitet die Künstlerin sehr schnell, um das Erkannte nahezu rauschhaft auf die Fläche zu übertragen. Im Bild bleibt die Schnelligkeit des Arbeitens deutlich sichtbar, die Linien und Striche dokumentieren (neben den eben beschriebenen Aspekten) immer auch den Moment des Gestischen, und dieses Gestische verweist nicht nur auf die zeitliche Dimension der Gestaltfindung, sondern auch auf das emotionale Eingebundensein des Künstlers, den besonderen „Dialog“ zwischen Maler und Modell.

 

Die Ambivalenz der zeichnerischen Mittel, das Changieren zwischen Darstellungswert und Eigenwert und das gestisch Informelle steigert die Künstlerin umso mehr, als der Mal- oder Zeichengrund niemals ausgeblendet wird – es gibt keine klassische Dualität von Figur und Hintergrund, und auch innerhalb der Figuren oder Gegenstände scheint der Bildgrund immer durch, oder wird durch Überarbeitung mit Weiß wieder thematisch. Entscheidend ist hierbei die Farbe, bzw. die Handhabung der Farbe, die gerade nicht modellierend eingesetzt wird, um Personen oder Dinge plastisch vom Grund oder Hintergrund zu lösen.

 

Die Farbe wird sehr deutlich, analog zur Zeichnung, (wenn man das überhaupt trennen kann), frei spielend aufgetragen, als handschriftlicher Duktus. Selten tatsächliche Gegenstandsfarbe, niemals plastisch modellierend, ohne Verweis auf materielle Eigenschaften der Dinge, immer auf dem Bildgrund schwebend, eigenwertig wie die beschriebene „Zeichnung“, niemals das Weiß des Bildgrundes verschließend, lässt sie Luft zum Atmen, Luft zur eigenen Deutung.

 

Farbe ist der Künstlerin aber niemals Dekoration; sie ist im tatsächlichen Sinn Koloristin und verweist auch immer auf ihr Vorbild Matisse. Mit Farbe bzw. komponierten Farbklängen vermag sie Natur, Dinge oder Menschen zu „durchfreuen“, zu dramatisieren oder aggressiv aufzuladen, vermag sie Alterungsprozesse zu veranschaulichen; sie vermag Farben harmonisch zu versöhnen oder spannungsvoll (bis zum Bersten) zu steigern. Gerade im Modus der von aller Gegenständlichkeit befreiten Farbe (analog zur „Zeichnung“) gelingen ihr diese Deutungen – und wie in der „Zeichnung“, ganz unmittelbar aus der „befreiten“ Farbe.

 

Doris Trzaska geht sehr deutlich von der Wahrnehmung aus; sie betrachtet Menschen, Dingwelt und Natur – kaum ein Motiv ist ihr fremd. In langer und dauernder Betrachtung geht es ihr allerdings um das Dahinter, um Wesentliches, Wesenhaftes, um Inneres, um Verborgenes, Ängste oder gar Abgründe, aber auch tief empfundene Ruhe und Stille. In Verbindung zur beschriebenen Arbeitsweise und Ästhetik geht es ihr dabei nicht um das Konkrete und Individuelle, und auch gar nicht um eine abschließende Positionierung – das Suchen und Vorsichtige der zeichnerischen und malerischen Bildmittel, der Verzicht auf die fest gefügte, (end) gültige Bildform, macht deutlich, dass die „offene Form“, der Schwebezustand der Mittel auf der „transparenten“ Bildebene, geradezu ihr künstlerisches Ziel ist. Auch wenn ein Bild immer ein Ergebnis postuliert, wird deutlich, dass jedes Postulat immer ein momentanes ist, das immer wieder neu zu überprüfen ist. Die Offenheit der bildnerischen Mittel dokumentiert ein immerwährendes Suchen, auch wenn in der Betrachtung eines konkreten Werkes eine Deutungsmöglichkeit aufscheint.

 

Doris Trzaska arbeitet in Serien und sie arbeitet sehr viel; eine einmal portraitierte Person wird immer wieder zum Modellfall ihres Arbeitens und Denkens, und es ist interessant, wie vielschichtig und differenziert die Welt ist bzw. gesehen und gedeutet werden kann.

 

Ulrich Marquardt

Kunsthistoriker

 

 

 

 

Kurzbiographie

 

1952...........geboren in Ukta, Masuren/Polen

1972-79......Studium an der Kunstakademie Düsseldorf

1977...........Meisterschülerin bei Professorin Beate Schiff

1981...........Atelier in Bochum, Lehrerin an der Goethe-Schule

2008...........Atelier in Sprockhövel: Malerei, Video, Objekte

 

 

Ausstellungen / Auswahl

 

2016...DELUBIT GmbH Recklinghausen; PRO PHYSIO Bochum

2015...Galerie AUF, Essen

2014...Kunstraum Unten Bochum

2013...„nebenan“ BoKünstlerbund in Herne-Wanne

2012...bochumerkünstler, Kunstmuseum Bo;

...........BBK Stadtgalerie Lünen; Dorfkirche Bochum-Stiepel

2011...NETZWERK, Scheidtsche Hallen Essen;

...........Quergesponnen, Scheidtsche Hallen Essen;

...........Kultursommer, Dorfkirche Bochum-Stiepel;

...........Halbzeit, Frauenfußball, Kunstmuseum Bochum;

...........Paradies, Christ-König-Kirche Bochum;

...........neue sichten Kunstverein Bochumer Kulturrat

2010...STARKE ORTE RUHR, Luftschutzbunker Herne

...........und Amtshaus Dortmund-Mengede;

...........„kunstzweidrei“, Kunstkirche Christ König Bochum

2009...bochumer künstler, Kunstmuseum Bochum;

...........„FREMDsein, Kultur-Magazin Lothringen Boochum;

...........„kunstzweidrei” Kunstkirche Christ König Bochum

2008...DELUBIT GmbH Recklinghausen; PRO PHYSIO Bochum

2007...bochumerkünstlerbund, Die Wolfsburg Mülheim/Ruhr;

...........Stadtarchiv Bochum

2006...Bochumer Künstler, Kunstmuseum Bochum;

...........„kunstzweidrei“Zeche Holland Bochum

2005...Pauluskirche Bochum;

...........„kunstzweidrei“ Verwaltungsakademie Bochum

2004...„Schachtelnkunst“ Museum Mülheim;

...........kunstzweidrei Stadtarchiv Bochum

2003...Bochumer Künstler Museum Bochum;

...........Bürger Bibel Pauluskirche Bochum

2001...Kunsthaus Pinx, Bochum

2000...Wirtschaftsverb. Stahl Hagen;

...........Das Kunstschwein, Museum Mülheim;

...........SCHICHTEN Museum Bochum

1999...Verwaltungs-Akademie Bochum;

...........Bochumer Künstler Museum Bochum;

...........Museum in der alten Post Mülheim

1998...Brückner art consult, Technologiezentrum Bochum;

...........Bochumer Künstlerbund in Bedburg-Hau

1997...Yogaperformance, Video, Malerei

...........Museum in der Alten Post Mülheim/Ruhr

1996...Yogaperformance, Video, Malerei Museum Bochum

1994...Videofestival Bahnhof Langendreer Bochum

1993...Kunsthaus Pinx Bochum

1992...Bochum Künstler Museum Bochum;

...........GAIA-Symposion Gelsenkirchen;

...........„Herrschaft“ Zeche Lothringen Bochum

1991...Volkshochschule Essen;

...........Künstlersymposium Reichskirchen-Ettinghausen

1990...Galerie Lipski, Wesel;

...........Galerie Cardoso-Ribeiro Berlin;

...........Kunsthaus die „halle” Bochum

1988...Galerie Neue Ansichten Bochum;

...........Galerie Andrade-Niedermeier Bochum;

...........Kunsthaus Angelmodde, Münster

1986...Galerie Lipski, Wesel

1979...Galerie im Roten Turm, Bad Wimpfen

1978...Moderne Galerie im Schloss Hardenberg, Velbert

1977...Akademiestudenten im Schauspielhaus Düsseldorf;

...........Winterausstellung Düsseldorf

 

 

copyright Doris Trzaska
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Doris Trzaska

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Leipziger Str. 19
45549 Sprockhövel
Deutschland
T: +49-2324-3808590
dtrzaskawebde

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